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© by raft

Historisches

Der Fähnrich war im Mittelalter der Repräsentant, die "Galionsfigur" einer Truppe, einer Wache oder eines einzelnen Ritter.
Aufgrund seiner herausgehobenen Stellung wurde er entsprechend ausgestattet.
Je reicher die Truppe oder die Stadt, desto schmuckvoller der Fähnrich. Er genoß von Anfang an hohes Ansehen innerhalb der Truppe.
Obwohl nicht oberster Kommandeur war er doch der eigentliche Anführer und Motivator seiner Truppe.
Ein Fähnrich erhielt das sechsfache des normalen Soldes eines einfachen Landsers.
Hier lässt sich die Bedeutung des Mannes mit der Fahne gut abschätzen.
Durch seine Zeichen auf dem Feld wusste der Haufen, was er tun solle, er war Vorbild und Beispiel.
Dies stellte an die Persönlichkeit des Fähnrichs selbst hohe Ansprüche.
Darum soll er, wie es in einer 1565 veröffentlichten Schrift heißt:

                             "ein kecker mannlicher Gesell / der einen Verstand habe / kriegserfahren und geübt sey', ".

Der Fähnrich war der Mittelpunkt und Zusammenhalt für die Landsknechte, da er allein Führer und Bewahrer des Zeichens ist,
in dem allein sich ihre Einheit konstituiert.
Die Fahne mit ihrer bildhaften Symbolik durfte nicht verschmutzt, beschädigt oder gar zerstört werden, schon gar nicht verloren gehen.
Hier finden wir wiederum die mittelalterlichen Wurzeln heute noch gebräuchlicher geflügelter Worte: „seinen Namen verlieren“,
„jemandes Namen in den Dreck ziehen“.
Die Verteidigung der Fahne ist daher oberste Aufgabe des Fähnrichs, da sich in ihr das ideelle und ideale Sein der unter ihr versammelten
Kriegsknechte verkörpert.
Der Verlust der Fahne bedeutete schließlich das Erlöschen jeglicher Gemeinsamkeit und damit zugleich das Ende jeglicher militärischer Aktion.
Es ist heute kaum noch vorzustellen, welche militärische Bedeutung Trommeln und Fahnen als akustische und optische Signalgeber auf dem
Schlachtfeld hatten. Keiner hat es wohl erfasst, wie viele Schlachten einzig deshalb verloren gingen, weil der Fähnrich und mit ihm die Fahne
als Feldzeichen gefallen waren und daraufhin die Soldaten orientierungslos davon stürmten.
Der Fähnrich vereint in sich und in der Fahne alle Ideale und ideellen Werte seiner Truppe.
Durch diverse Fahnenspiele wurden diese immer mehr verfestigt. Gleichzeitig dienten die Aufführungen aber auch zur Unterhaltung und
Aufbesserung der Moral der Truppe. Je besser ein Heer in der Schlacht war, desto besser wurden auch die Fahnenspiele und somit das Geschick
des Fähnrichs.
Kriegserfahren muß der Fähnrich sein, denn er muß die Fahne gegen den Feind verteidigen und sie gleichzeitig rein und deutlich sichtbar für alle
zu führen. Mit dem Schwert in der einen und Fahnen in der anderen Hand weist der Fähnrich reichlich viel Geschick auf, welches mit ständigen
Übungen nur zu erreichen war.
Das Fahnenschwingen reiht sich in diesem Kontext somit in die anderen Waffenspiele mit ein. Nur durch ständige Übung konnte der Fähnrich die
notwendige Gewandtheit in der Handhabung von Waffe und Fahne erreichen.
Die Fahnenschwinger waren stets darauf bedacht, ihrem Publikum eine kunstvolle Darbietung zu präsentieren.
Ein Nebenzweck dabei war sicher auch, dem Mitkonkurrenten zu zeigen, was man konnte.
So scheint schließlich der Wettbewerbsgedanke beim Fahnenschwingen entstanden zu sein.

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